Rumpler Georg

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Rumpler Georg

Offener Brief an die Funktionäre von Apothekerkammer und Apoverband

von Rumpler Georg am 15.10.2015 in Gast Autoren

Herr Georg Rumpler von der Apotheke zur Austria hat uns freundlicherweise gestattet, ein Schreiben, das er als Reaktion auf einen Artikel in der “Presse” an die Funktionäre von Apothekerkammer und Apoverband gesendet hat, hier wiederzugeben. Auf keinen Fall möchten wir Ihnen diese interessanten Ausführungen vorenthalten!

(Sehr geehrte) Funktionäre von Apokammer und Apoverband!

Betreff: Artikel in der “Presse” vom 6.10.2015

Solche Studien kommen einzig und allein nur deshalb in das Interesse der Öffentlichkeit (“Die Presse”), weil die österreichischen Apotheken noch immer mit ihren “Apothekerpreisen” die öffentliche Meinung dahingehend prägen, dass selbige nur Goldgruben beernten, dafür keine Leistung erbringen und vor allem nichts verdienen dürfen!!!

Dass ein Blatt wie “die Presse” (eher konservativ, dh. bewahren, lat.), so eine “Studie” veröffentlicht, hat ausschließlich den Grund, dass es unsere “Standesvertretung” seit vielen Jahren sträflich versäumt, das zu tun, wofür sie eigentlich installiert ist und bezahlt wird:

  • Lobbyismus an richtiger Stelle für unsere Interessen, nach zeitgemäßem Verständnis zu betreiben. Dass das von einem Apotheker nicht geleistet werden kann, hat sich schon mehrfachst bewiesen, gehört ja auch nicht zu seinen gelernten Qualitäten, weshalb ich auch schon seit langem von unserer Berufsvertretung fordere, solche Lobbyisten in den Sold zu nehmen und sie diese Arbeit für uns durchzuführen zu lassen.
  • Eein weiterer Umstand würde durch diese Maßname nicht mehr so große standespolitische Auswirkungen haben: das eigennützige Streben mancher Kammer-Funktionäre hätte für den gesamten Berufsstand in der Öffentlichkeit weniger Bedeutung. Soll heissen: wenn sich jemand auf seinen Job konzentriert, ohne Eigennutzstreben, dann macht er einfach den Job, für den er bezahlt wird – ohne wenn und aber.

Ich rufe Sie zu einer massiven Gegenoffensive betreff dieser kurzsichtigen und dilettantischen Studie auf – eine Presseaussendung ist da ganz sicher zu wenig.

Veranlassen Sie raschest “die Presse” eine von der Apothekenvertretung veranlasste Gegen-Studie zu veröffentlichen, in der Sie die angeführten Punkte nachhaltig recherchieren.

Zweck: öffentlichen Klarstellung mit Zahlen und Fakten, ökonomisch nachhaltig und sozial, zur Korrektur einer polemischen Meinungsbildung.

Erklären Sie:

  • endlich der Öffentlichkeit, wie eine Preisbildung der Arzneimittel in Österreich zustande kommt !!!!!!!!!!!!!!!! Wenn das nicht “Gewinnsozialisierung” ist, dann habe ich nichts verstanden.
  • öffentlich die Einhebung der Selbstbehalte der Versicherungsnehmer, vermeiden Sie zukünftig den dem Wortsinn widersprüchlichen Terminus Rezeptgebühr!!! Selbiger hat auch nichts in diversen Gesetzestexten verloren – gehandhabt wie bisher wird immer zugelassen, dass Apotheken als Urheber und Nutznießer gelten.
  • dass zukünftig BIPA und DM ihre Gewinne bekanntgeben und vor allem sozialisieren.
  • dass den Apotheken in den letzten Jahren mehrfach die Handelsspannen gekürzt wurden, das verstehe ich unter Gewinnsozialisierung.
  • dass eine bundesweite Preisgarantie auf Arzneimittel besteht.
  • dass die österr. Apotheken ein volkswirtschaftlicher Motor sind, und zwar als: Dienstgeber (18.600, davon 90% Frauenanteil), Abgabenlieferant, Kundenberater, Vermittler (Arzt, Krankenkasse), Ausbilder, Verwalter (Soz.versichungen -und zwar unentgeltlich), uvm.
  • dass bei Umsetzung dieser “Studienidee” 10.000 Fachkräfte arbeitlos sind (Pharmazeuten, PKAs).
  • der Öffentlichkeit, dass mit der Freigabe von Rp-freien Medikamenten an den freien Markt sich für den Käufer alles verteuert (siehe Asien, USA, Canada = 2-4x teurer – Habe 2012 anlässlich eines Aufenthalts in New York für ein “amerikanisches Labisan” in der 3g Tube 13,50 Dollar bezahlt! – bei uns 5,95 € für 7g !).
  • Großkonzerne mehr Unterstützung benötigen bei jährlich 3% Umsatz+. Bitte überprüfen Sie die Margen von BIPA, DM ob im Online-Shop oder deren Filialen an Hand von zB. OralB Zahnseide oder Parodontax Zahncreme: AEP minus 40-45% im Einkauf ergibt dann einen VKP für den Käufer ähnlich unserem !!!!!! (verifiziert !) – muß auch gewinnsozialisiert werden.
  • Großkonzerne schon bei Gemeindeabgaben begünstigt werden, deren übrige Abgaben werden oft in steuerlich begünstigter Form abgeführt (Firmensitz !).
  • das Pharmaziestudium entfällt – macht weitere Arbeitlose in der Universitätslehre.
  • durch die verringerte Lagerhaltung der “ärztlich geführten Arzneimittelverteilung” Umsatzumleitung der Kundenkäufe in Online-Shops.
  • dass 24 Stunden Öffnungszeit der Apotheken derzeitiger Standard ist (Bereitschaft).
  • dass der Kunde erst ab 20 Uhr eine Ausgabetaxe zu bezahlen hat.
  • dass die Ärzteschaft garantiert, die Ausgabe von Medikamenten gratis zu erfüllen und zwar rund um die Uhr.
  • dass beim BILLA, DM, BIPA nach 20 Uhr keiner mehr da ist
  • dass die Ärzteschaft zur Abgabe von Medikamenten und Herstellung mag. Rezepturen die dazu erforderliche Betriebsordnung erfüllen wird (Größe, Hygiene, Einrichtung, zb. Laminar- Airflow, usw.) – Erfordernisse, die jede Apotheke zu erfüllen hat.
  • es sich beim Vergleich Österreichs mit Ländern wie Ungarn und Kroatien wohl um einen Scherz handeln muß – oder hat der Studienautor sein Honorar auf ungarisch- kroatischer BIP-Basis bezahlt bekommen?
  • dass die fragwürdige Einsparung von 180 Mio an den Gesamtausgaben von 34,8 Mrd sensationelle 0,52% ergeben würden – allein durch eine Zusammenlegung aller Sozialversicherungen zu einer würden sich hunderte Mio sparen lassen, aber nein, dieses Politkasperltheater bleibt unkommentiert.
  • wer hat diese Studie in Auftrag gegeben und zu welchem Zweck? Die Einsparung von fragwürdigen 0,52% kann wohl kaum der Grund sein ??????
  • warum sieht sich “die Presse” veranlasst so einen Sch…. zu veröffentlichen, wer steckt dahinter ?????

Ich habe mir viel Zeit genommen und erwarte mir in jedem Fall eine Antwort.

Diese Email ist als Forderung an Sie als unsere Vertretung gerichtet – nicht als Anregung oder Idee, dazu ist es schon längst zu spät.

Georg Rumpler

Apotheke zur Austria
Rumpler & Mag. Salem KG
Währinger Str. 18
1090 Wien
www.austriaapo.at

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