Wilke Jens

Wie sag‘ ich’s meinem Kinde …?

von Wilke Jens am 17.09.2019 in Personal

Unangenehme Gespräche und Kündigung

Ein Unternehmen ist wie ein Bus: Sie sollten sich ständig fragen, ob der Mitarbeiter im richtigen Bus und auf dem richtigen Sitz sitzt.

Sie und jeder andere hätte gerne Mitarbeiter im richtigen Bus und auf dem richtigen Platz, d.h. mit hoher fachlicher Kompetenz bei gleichzeitig passender Persönlichkeit, letzteres in Bezug auf Ihr Unternehmen, Ihr Team und die Werte, die Ihnen wichtig sind.

In der Praxis klappt das oft nicht ganz so optimal und Sie oder ein Mitarbeiter Ihres Teams sehen ein Defizit bei einem Kollegen.

Bei einem fachlichen Defizit ist die Aufgabenstellung einfach: Hier geht es um Befähigen„, um Fördern, Fordern und Feedback, sodass der Mitarbeiter die beste Leistung im Rahmen seiner persönlichen Möglichkeiten erbringen kann.

Deutlich schwieriger ist der Fall auf der Seite der Persönlichkeit. Wenn Mitarbeiter unbequem sind, fehlt es Ihnen oft an Wertschätzung und Anerkennung. Lesen Sie dazu bitte meine Newsletter: „Mitarbeitergespräch als DAS Führungsinstrument“ und „Reaktive Gespräche“.

Meine Empfehlung: Wenn Sie es nicht innerhalb von (maximal!) sechs Monaten schaffen, einen Mitarbeiter aus der Gruppe der Under-Performer zu einem Normal-Performer zu entwickeln – trennen Sie sich von ihm. Dasselbe gilt nach maximal drei schweren Verfehlungen.

Vergessen Sie nicht, dass nicht nur Sie ein Problem mit diesem Mitarbeiter haben, er beeinflusst – und das meist massiver als Sie glauben – den Rest Ihres Teams, dessen Performance und Effizienz und damit auch auf das Geschäftsergebnis.

Mit einer ständigen imaginären Ersatzbank im Hinterkopf, fällt es Ihnen „leichter“ Kündigungen durchzuziehen. Halten Sie sich an die Weisheit der Dakota-Indianer: „Wenn Du entdeckst, dass Du ein lahmes Pferd reitest, steig ab!“

Dazu möchte ich Ihnen eine kurze Anleitung für ein Kündigungsgespräch mitgeben.

Folgendermaßen könnte das Gespräch ablaufen:

  1. Vorbereitung: „Das was ich Ihnen heute sage, wird Ihnen nicht gefallen“
  2. Inhalt: „Ich habe mich dazu entschlossen, das Dienstverhältnis aufzulösen“
  3. Drei Gründe für die Auflösung
  4. Warten!

Jetzt kommt der Mitarbeiter mit Rückfragen, auf die Sie reagieren können oder aber er reagiert mit Tränen, Wut, Zorn u.Ä.

  1. „Es war mir klar, dass es Sie erschüttert, das hat Platz hier, aber ich bin mir sicher, dass Sie schnell wieder eine neue Arbeit finden.“

Das Ganze spielen Sie so lange bis alle Fragen geklärt sind. Sie dürfen mitfühlen, aber nicht mitleiden!

Wenn alle Fragen geklärt sind:

  1. Ok, wenn alle Fragen geklärt sind, ich habe auch nichts mehr zu sagen, die Kündigung gilt ab…“

Kündigungsgespräche sollten Sie am Wochenanfang führen und zum Abschluss des Tages.

Danach sollten Sie noch mit dem restlichen Team sprechen: „Wenn einer denkt, er ist der Nächste, sage ich klipp und klar Nein! Ich habe dem Mitarbeiter Vertraulichkeit zugesichert was die Gründe angeht, aber ihr könnt mir glauben, man trennt sich nicht einfach so von einem Kollegen…“. Damit haben Sie gleich alle Fragen und Zweifel geklärt. Es ist aber wichtig, dass Sie als Führungskraft am nächsten Tag auch da sind, um die Unruhe im Team weiter abzufangen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!



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