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APA OTS

FSME in Oberösterreich: Steigende Fallzahlen und schlechte Impfmoral

Branchen News vom 23.04.2018

Linz (OTS) – Oberösterreich war 2017 das am stärksten von FSME betroffene Bundesland. Generell gibt es hier besonders viele Endemiegebiete, deren Anzahl letztes Jahr sogar noch gestiegen ist. Dennoch haben sich 2017 vergleichsweise wenige Menschen gegen das Virus impfen lassen. Problematisch ist vor allem, dass sich viele ursprünglich Geimpfte die Auffrischungsimpfung nicht oder nicht rechtzeitig verabreichen lassen. Dadurch kann es auch bei Personen, die sich eigentlich für geschützt halten, zu einer Infektion kommen. Und diese kann nicht nur kurzfristig dramatische Auswirkungen haben, sondern auch noch Jahre danach. Da die Zeckensaison bereits begonnen hat, sei es höchste Zeit, den eigenen Impfstatus zu überprüfen, betonten Experten am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Linz.

Unterschätztes Risiko

38 der 116 im letzten Jahr gemeldeten österreichischen Fälle kommen aus Oberösterreich. 71 Prozent der Oberösterreicher sind bereits einmal von einer Zecke gestochen worden. 79 Prozent haben zumindest einmal eine Impfung erhalten, aber nur 64 Prozent sind tatsächlich im korrekten Impfschema. „Konkret bedeutet das, dass 36 Prozent aller Oberösterreicher potentiell nicht adäquat gegen eine FSME-Infektion geschützt sind, oder nie eine korrekte Grundimmunisierung erhalten haben“, erläutert Dr. Johannes Neugebauer, Impfreferent der Ärztekammer Oberösterreich. „Nur 11 Prozent der Oberösterreicher haben sich letztes Jahr gegen FSME impfen lassen, während es im Österreichschnitt 14 Prozent waren“ ergänzt Priv.-Doz. Dr. Georg Duscher, Vizepräsident des Vereins zur Förderung der Impfaufklärung. Umfragedaten zeigen, dass erschreckende 7,5 Prozent der Geimpften in Oberösterreich sich bewusst kein weiteres Mal mehr impfen lassen möchten. Dies ist sogar ein höherer Prozentsatz als im restlichen Österreich (5 Prozent). Für Neugebauer ist klar: „Zusätzlich zu allen Informationskampagnen sind auch wir Ärzte in der Pflicht, die Menschen im ärztlichen Gespräch von der Notwendigkeit der Impfung zu überzeugen.“

Neue Endemiegebiete identifiziert

Ganz Österreich gilt als FSME-Endemiegebiet. „Es gibt jedoch Regionen, die häufiger von FSME-Erkrankungen betroffen sind als andere“, berichtet Duscher. „Gerade in Oberösterreich gibt es einige davon.“ 2017 wurden noch weitere identifiziert: Die Regionen Obergrünburg, Losenstein und Reichraming sowie die Dr. Vogelsang-Klamm. „Grundsätzlich sollte sich aber jeder, egal, wo er sich aufhält, auf jeden Fall gegen FSME impfen lassen“, betont Priv.-Doz. Dr. Rainer Gattringer, stellvertretender Institutsleiter am Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin (IHMT) am Ordensklinikum Linz. „Das macht auch deswegen Sinn, weil Risikogebiete erst im Nachhinein anhand der gemeldeten Infektionen beziehungsweise getesteter Tiere und Zecken festgestellt werden können.“

Zweiphasiger Krankheitsverlauf

Glücklicherweise treten aber bei einem Großteil der Infizierten wenig bis gar keine Symptome auf. Beim Rest – Schätzungen gehen von etwa 20 Prozent aus – kommt es meist zu einem zweiphasigen Krankheitsverlauf, in dem die ersten Symptome nach etwa einer Woche auftreten. In dieser Phase haben Patienten oft Fieber und Symptome wie bei einer Grippe. Nach Abklingen der Symptome und einer beschwerdefreien Woche kommt es dann zu einem zweiten Krankheitsgipfel, in dem das Fieber zurückkehrt und neurologische Beschwerden auftreten. Typische Symptome sind Kopf- und Nackenschmerzen, Übelkeit, Bewusstseinsstörungen und Krampfanfälle. In ganz schweren Fällen kommt es zu Entzündungen von Gehirn und Hirnhäuten.

Jahrelange Auswirkungen

„Was vielen Menschen nicht bewusst ist, aber gravierende Auswirkungen haben kann: Ein Teil aller symptomatischen FSME-Patienten leidet oft noch Monate, manchmal sogar Jahre am sogenannten post-enzephalitischen Syndrom“, erläutert Gattringer. Symptome können Konzentrationsstörungen, Gedächtnisschwäche, Wortfindungsstörungen oder Gangunsicherheit sein. Außerdem kann es zu psychischen Störungen, Kopfschmerzen, allgemeinem Unwohlsein und eingeschränkter Leistungsfähigkeit kommen. Laut einer schwedischen Studie litten nach einem Jahr immer noch 40 Prozent an solchen Symptomen.

Auffrischung immer möglich

Gegen all das kann die Impfung schützen, und das zu beinahe 100 Prozent. Die FSME-Impfung – es gibt sogar eigene Kinderimpfstoffe – ist allgemein gut verträglich. Wichtig ist die regelmäßige Auffrischung nach der dreiteiligen Grundimmunisierung. Nach der ersten Auffrischung nach drei Jahren wird diese bis zum 60. Lebensjahr alle fünf Jahre, danach, aufgrund des schwächeren Immunsystems, alle drei Jahre empfohlen. Leider vergessen viele Patienten darauf oder übersehen, dass sie eigentlich schon wieder eine Auffrischung brauchen würden. Die gute Nachricht für alle, die das korrekte Impfintervall überschritten haben: Abhängig vom verwendeten Impfstoff genügt meistens eine einmalige Auffrischungsdosis.

Laufende Aktion

Und genau diese Auffrischung sollten heuer auch tatsächlich sehr viele Oberösterreicher wahrnehmen. 33 Prozent geben in einer Umfrage an, 2018 eine FSME-Impfung zu benötigen. „Wir werden Patienten in möglichst vielen Arztgesprächen daran erinnern“, betont Impfreferent Neugebauer. Die aktuelle FSME-Impfaktion der Österreichischen Ärzte- und Apothekerkammer hat bereits am 1. Jänner begonnen und läuft noch bis zum 31. Juli 2018. Die Impfstoffe sind in allen 1.400 Apotheken in Österreich auf Rezept vergünstigt erhältlich.