Hauser Wolfgang

Sind 1.000 PharmazeutInnen in Österreich bald arbeitslos?

von Hauser Wolfgang am 25.04.2017 in Allgemein

Der Ertragsdruck bei den heimischen Apotheken steigt kontinuierlich an. Nicht die Gier nach dem schnöden Mammon, sondern das blanke Überleben sind hierfür der Antrieb. Die Apotheken sind mehr und mehr gefordert die Kosten und Aufwendungen zu evaluieren und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Die größten Ausgabe-Positionen sind das Personal. Beim Personal wiederum die Pharmazeutinnen bzw. Pharmazeuten. Jedes Zehntel kostet (abhängig von Bereitschaftsdiensten, etc.) zwischen 650 und 850 EUR. Nirgendwo sonst, kann so rasch und viel eingespart werden als bei den Pharmazeuten-Zehntel. Natürlich nicht in jeder Apotheke und natürlich auch nicht sinnvollerweise … das versteht sich von selbst.

Aber ich prognostiziere in absehbarer Zeit durchschnittlich 3 Zehntel Einsparung pro Apotheke in Österreich. Bei ca. 1.350 Apotheken sind das ~4.000 Zehntel!

Wären alle PharmazeutInnen 10 Zehntel tätig, dann wären das alleine bereits 400 betroffene Menschen!

Aber dem ist natürlich nicht so. Bereits 43,7 % der angestellten Apothekerinnen sind zwischen 2 und 6 Zehntel – beschäftigt. Weitere 34,9 % arbeiten sind zwischen 6 und 9 Zehntel – beschäftigt. Das heißt, dass 78,6% aller angestellten ApothekerInnen nicht Vollzeit beschäftigt sind.

Da auch immer mehr PharmazeutInnen aus dem benachbarten Ausland in Österreichischen Apotheken nach Anstellung suchen intensiviert sich der Wettbewerb spürbar um die bestehenden Anstellungsplätze enorm und die oben beschriebene Tendenz wird noch stärk in Erscheinung treten.

Dass dies für die betroffenen (vor allem weiblichen) PharmazeutInnen kein Honig-lecken sein wird, ist so klar wie ein Salzburger Gebirgsbach!

Ist dies jetzt noch verhinderbar?  Tja, wenn die Betroffenen eine wirkliche Lobby hätten …

Das wäre doch für die gut bezahlte und zwangsfinanzierte Interessensvertretung ein durchaus sinnvolles Betätigungsfeld!? Oder wie sehen Sie das?



Zu diesem Artikel gibt es 4 Kommentare

  • Kommentar von Dr Dietmar Rakowitz am 26.04.2017 um 07:54 Uhr:

    Die zwangsfinanzierte Interessensvertretung war bislang offensichtlich nur bemüht, ihre eigenen Interessen zu vertreten. Wenn es dann in Zukunft keine Apotheken mehr in Österreich geben wird (gefordertes Dispensierrecht für niedergelassene Ärzte, Änderung des Hausapothekengesetzes, DM-Markt …), wird die Interessensvertretung – sofern sich nichts ändert – spätestens dann bemerken, dass sie niemanden mehr zu vertreten und sich selbst ad absurdum geführt hat … Also worauf WARTET IHR???

  • Kommentar von Bernhard Schmiedl am 26.04.2017 um 08:52 Uhr:

    Die Vertretung der Angestellten tut wozu sie gewählt wird, unablässig für bessere Bedingungen ihrer Mitglieder zu schreien. Dass dies zum Leidwesen der Apotheken geht, liegt in der Natur der Sache. Kammer und Verband haben es verabsäumt seit beginn der Generika Flut für zusätzliche Einnahmen zu sorgen oder von der degressiven Spanne abzukehren. Stattdessen ließ man einen Angestelltenvertreter zum Kammerpräsidenten werden, der, wenn er sich nicht um Partikularinteressen (Samstagsöffnung oder seit neuestem verlängerte Kernöffnungszeiten 6 bis 21Uhr), vor allem um von der Apotheke finanzierte Tätigkeiten wie das Medikationsmanagement kümmerte

  • Kommentar von Robert Zika am 26.04.2017 um 09:03 Uhr:

    Dass eine Gewerkschaft sich darum kümmert mehr für ihre Mitglieder herauszuholen, kann man ihr wohl nicht vorwerfen. Eher sollte man die Arbeitgebervertreter zur Verantwortung ziehen die unverholenen Forderungen der Gewerkschaft nicht mit dem Auflösen des Kollektivvertrages quittiert und stattdessen noch die Abgeltung der Inanspruchnahme im Nachtdienst mit 11€ guttiert. Seitens der Kammer wurde es seit der „Generikawelle“ ab 2011 verabsäumt, die Deckungsbeitragsverluste durch z.B. ein evaluiertes Fixhonorar zu ersetzen. Die Preiskommission hat keine Anpassung der Abgeltung der Dienstleistungen (Magistrale, Inanspruchnahme) oder abgeltung bisher kostenlos getätigten Services, die in anderen EU Ländern selbstverständlich honoriert werden, forciert. Stattdessen wurden von der Kammerspitze ein Medikationsmanagement ohne Finanzierungsplan und Partikularinteressen wie Samstagnachmittagsöffnung oder die nun in der Vorlage zur ApoG Novelle vorkommenden erweiterten Kernöffnungszeiten von 6 bis 21Uhr von der ein Bruchteil aller Apotheken zulasten aller anderen profitieren wird. Der Gewerkschaft den schwarzen Peter zuzuschieben, ist für mich etwas kurz gedacht und entlastet die wahren Verantwortlichen der derzeitigen Zustände

  • Kommentar von Der Maihase am 26.04.2017 um 10:53 Uhr:

    Gewisse Kammern sind in Wirklichkeit strohdu….. Warum? Sie haben entdeckt, dass es sich aus der Kammerumlage VIELER Apotheken (egal wie es diesen wirtschaftlich geht) vorzüglich leben lässt. Dh die Interessen der eigenen Kammer sind nicht mehr ident mit den Apothekern. Außerdem haben die vielen Beteiligten rund um die Apotheken, massiv andere Interessen. Da wuseln Angestellte eines Großhändlers mit guten (Beratungs)Tipps durch die Gegend, während die eigene amerikanische Mutter der weltgrößte Eigentümer von Apotheken-Ketten bzw. Exklusiv Lieferant derselben ist. Ferner beschleicht mich oft das fatale Gefühl, dass hinter den Dumping Angeboten mancher Shop-Versender über 10 Ecken der heimische Großhandel steckt. Die Gewerkschafter wiederum beamen sich mit ihren „realistischen“ Forderungen und (teilweise hass- und neiderfüllten) Sichten sowieso ins Off. O-Zitat: Liberalisierung betrifft ja nur die Selbstständigen. Na da wird sich dann manch gewerkschaftsaffine Tara-Pflaume wundern, wenn sie im Kettenparadies aufwacht.

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