Wilke Jens

2. Quartal 2014 – Wachstum das (k)eines war …? Ein kritischer Blick auf die Zahlen

von Wilke Jens am 08.08.2014 in Allgemein, Analysen, Beratung

Die Zahlen des abgelaufenen zweiten Quartals 2014 sehen auf den ersten Blick doch eigentlich recht vielversprechend und ermutigend aus:

Es steht ein respektables Gesamtumsatzwachstum von +3,7% (Basis: Umsatz) zu Buche (im Quartal 2 des Jahres 2013 waren es -0,5%), wobei der Umsatz im rezeptpflichtigen Bereich um +3,3% und im OTC-Bereich um stolze +8,0% stieg (Quelle IMS). Auf ein in vielen Apotheken „trauriges“ Q1 (OTC -1,2% nicht zuletzt aufgrund eines schwachen Winters) geben diese Zahlen doch Anlass zur Hoffnung … – oder etwa nicht?

Ein paar Gedanken dazu:

  • Die alte betriebswirtschaftliche Plattitüde „Umsatz ist nicht gleich Gewinn“ trifft wohl  gerade in Zeiten wie diesen für Apotheken zu. Umsatzwachstum heißt leider nicht Rohertrags-, geschweige denn Gewinnwachstum
  • Wer hat wo Umsatzzuwächse generiert unter den Apotheken? Allein im „hochpreiserbereinigten“ Kassenumsatz hatten im Beobachtungszeitraum Jänner – Mai 780 (!) der rund 1.300 österreichischen Apotheken (das entspricht rund 60% …) einen Umsatzrückgang zu verzeichnen (Quelle: Österr. Apothekerverband).
  • In der Praxis haben wir Liquiditätsengpässe aufgrund der Zahlungsmodalitäten bei Hochpreisarzneimittel (mit   geringen relativen Margen) und sinkende Umsätze bei steigendem Generikaanteil (und damit sinkendem Rohertrag). Vor dem Hintergrund dass dies das (einstige?) Kerngeschäft der Apotheke (war) ist und wir in Österreich noch nicht den Zenit im Generikabereich erreicht haben (aktuell 38,0% was im internationalen Vergleich noch als moderat zu bezeichnen ist) ein Trend, der sich verschärfen wird
  • OTC-Wachstum: ja, aber eigengesteuert? nur bedingt. A) Bitte Vorsicht bei Auswertungen aus der Warenwirtschaft – Stichwort „Umsatz unter der Taxierungsgrenze„. B) Der Anteil des Einflusses auf das OTC-Wachstum durch die bereits täglich praktizierte Belieferung des Versandhandels – böse Zungen behaupten dieser erfolge von der eigenen Kollegenschaft – kann man hier nur erahnen. Faktum ist, es gibt ihn.
  • Geringerer DB I (Rohertrag) wäre bei geringeren Kosten in der Apotheke ein Nullsummenspiel … – aber welche Apotheke hat das? Wohl nur die wenigsten … 😉 Allein die kollektivvertraglichen Steigerungen tragen das ihrige dazu bei …

Grund zur Panik? Nein.

Grund zum Handeln? Ja.

Grund mehr strategisch zu denken und zu planen? Sicher – und das regelmäßig.



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