Wilke Jens

Wie oft dreht sich Ihr Lager?

von Wilke Jens am 25.04.2013 in Einkauf & Lagermanagement

Optimierter Einkauf und ein sauber gepflegtes Warenlager zählen zum betriebswirtschaftlichen Fundament einer gut geführten Apotheke. Die Verbesserung beider Positionen führt zur Erhöhung des Rohertrages der Apotheke (Deckungsbeitrag I / DB I) und schlägt sich direkt – in einer Verbesserung (oder auch Verschlechterung) – von Liquidität und Betriebsergebnis nieder. Erfahrungsgemäß mit Summen, die in beiden Bereichen im deutlich fünfstelligen Eurobereich liegen.

Gerade im Warenlager (Position Umlaufvermögen in der Bilanz) wird viel Kapital gebunden – in gut geführten Apotheken laufend rund 5-6% des Jahresumsatzes. Eine der zentralen Kennzahlen im Bereich des Warenlagers ist dabei die Lagerumschlagshäufigkeit oder auch Lagerdrehung genannt. Sie sagt aus, wie oft das durchschnittliche Warenlager der Apotheke im Jahr verkauft wird.

Berechnung: Wareneinsatz der Apotheke / durchschnittlichen Warenlagerwert

Achtung: Wareneinsatz ist nicht gleich Wareneinkauf. Der Wareneinsatz berechnet sich nach der Formel: Wareneinsatz = Wert Vorjahresinventur + Jahreswareneinkauf – aktueller Iventurwert.

Für die Berechnung der Lagerumschlagshäufigkeit für eine Medianapotheke von aktuell rund 2,5 Mio. EUR bedeutet das:

Wareneinsatz (angenommen mit 70%): 1,75 Mio. EUR

Warenlager: 145.000 EUR

resultierende Lagerumschlagshäufigkeit = 12,06

Eine Lagerumschlagshäufigkeit von näherungsweise 12 heißt daher, dass das Warenlager 1x pro Monat verkauft wird oder im Umkehrschluss die statistische Reichweite des Apothekenlagers bei einem Monat liegt. Dieser Wert kann auch als Ziel- und Referenzwert für Apotheken definiert werden.

Die Lagerdrehung kann in Apotheken z.T. erheblich von dem oben genannten Wert abweichen – hierfür kann es Gründe geben – man sollte sich aber auch der Konsequenzen bewusst sein:

Eine deutlich geringere Lagerdrehung als 12 zieht eine erhöhte Kapitalbindung und verschlechterte Liquidität nach sich, bedeutet mehr Pflege– und somit Personalaufwand und führt zu einem gesteigerten Platzbedarf in der Apotheke. Ein größeres Lager erhöht auch gleichzeitig das Risiko für Verfall, Ladenhüter und mögliche DB-Vernichtung durch Retourenabzug.

Eine Lagerdrehung von deutlich mehr als 12 bedeuten signifikant erhöhten Handling- und Personalaufwand in der Warenbeschaffung und –übernahme, eine mögliche Verschlechterung der Lieferfähigkeit und bei Konditionsmodellen mit Staffelrabatt eine mögliche Reduktion der Rabattbasis.

Das Lager einer Apotheke ist wie ein Organismus zu sehen – nur bei guter Pflege und guter Anpassung an die lokalen Rahmenbedingungen entfaltet es sein volles Leistungsspektrum! Alles Gute bei der Umsetzung!



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