Wilke Jens

Transparenz im Einkauf

von Wilke Jens am 20.07.2011 in Einkauf & Lagermanagement

Im Schnitt bezieht die durchschnittliche Apotheke ca. 80 bis 85 % Ihrer Waren vom pharmazeutischen Großhandel. Umgelegt auf die Medianapotheke bedeutet dies einen Jahreseinkaufswert von rund 1,35 bis 1,45 Mio. Euro. Allemal lohnenswert, diesen Bereich der Apotheke einer genaueren Prüfung zu unterziehen.

Vorab: der pharmazeutische Großhandel ist für die Apotheke ein wichtiger und unverzichtbarer Partner und Dienstleister, ohne ihn läuft nichts. Natürlich spielen bei Vergleichen zw. einzelnen Anbietern Lieferfähigkeit und Servicegrad des jeweiligen Großhandels eine entscheidende und nicht zu vernachlässigende Rolle, trotzdem macht ein Vergleich der Zahlen allemal Sinn. Jeder Apotheker muss für sich entscheiden, wie viel ihm welche Dienstleistung Wert ist.

Jeder pharmazeutische Großhandel hat zumeist (nicht ganz unbeabsichtigt) völlig unterschiedliche Konditionsmodelle, die zum Teil nur von Experten analysiert und vergleichbar gemacht werden können. Egal ob Grund- oder Staffelrabatt, die Angebote klingen durchwegs sehr ansprechend (nicht selten werden Konditionen im zweistelligen Prozent-Bereich „in Aussicht gestellt“) bzw. denkt nahezu jeder Apotheker ohnedies bereits „Bestkonditionen“ bei „seinem“ Lieferanten zu besitzen, sei es aufgrund der langjährigen Geschäftsbeziehung und / oder aufgrund persönlicher Banden zum Lieferanten. Aufgrund unserer Erfahrungen am Markt stellen wir fest, dass diese Punkte selten miteinander korrelieren…

Aus wirtschaftlich-rechnerischer Sicht zählt jedoch für die Apotheke nur genau ein Wert, der sogenannte „Effektivrabatt“, d.h. die Summe aller Rabatte bzw. Gutschriften in Relation zum Gesamteinkauf beim jeweiligen Lieferanten. Der Effektivrabatt bildet den Succus aller Wahrheiten,  gibt der Apotheke eine erste wichtige Kenngröße und sorgt nicht selten nach Offenlegung und Kenntnis für den eigenen Betrieb bei vielen KollegInnen, ob der Geringfügigkeit für Erstaunen. Dass der Effektivrabatt nicht ausschließlich von den Konditionen des Großhandels sondern auch deren geschickter Inanspruchnahme durch die Apotheke („Bestellverhalten„, „Prozentsatz rabattierfähige Ware“ etc.) sowie der Umsatzstruktur (Stichwort „Hochpreiser“) abhängen muss ebenfalls bedacht werden. Höchste Zeit, Transparenz zu schaffen.



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